Schutz gegen Korrumpierung und Cybersicherheit im Maschinenbau
Am 05. Dezember 2025 wurde der lang erwartete Normentwurf der prEN 50742 fertig gestellt. Wir schauten für Sie in den Normentwurf und zeigen Ihnen die wichtigsten Eckpunkte, die sich in dieser Entwurfsphase abzeichnen.
Der Schutz gegen Korrumpierung wird im Normentwurf definiert als „beabsichtigte oder unbeabsichtigte Modifikation von Maschinendaten, die potenziell zu gefahrbringenden Situationen führen kann.“
Bei den in der Norm definierten Methoden und Anforderungen geht es um die Sicherheitsauswirkungen von Manipulationen. Ein vollständiger Schutz gegen Cyberrisiken kann weitergehender zu gestalten sein, wenn man z.B. die Verfügbarkeit für die Produktion als Schutzziel einbezieht. Die neue Norm beschäftigt sich also mit dem Mindestschutz, der für die Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen und somit für eine CE-Kennzeichnung nach EU-Maschinenverordnung 2023/1230 voraussichtlich ab 2027 zwingend notwendig sein wird.
Der von der Industrie beantragte Aufschub der Anforderungen im Bereich KI und Cyber-Security wird aktuell kontrovers diskutiert. Mit einem zögerlichen Vorgehen gehen die Hersteller erhebliche Risiken ein.
Die prEN 50742 fordert einen risikobasierten Ansatz, bei dem sind sowohl Sicherheitsrisiken als auch Bedrohungsrisiken zu berücksichtigen. Diese ergeben sich aus dem Verwendungszweck der Maschine und dem Sicherheitskontext.

Inhalte der Norm prEN 50742
Der Normentwurf beinhaltet:
- die Wahlmöglichkeit der Anwendung der Normenreihe EN 62443 (Approach B) oder der Verfahren der Norm prEN 50742 (Approach A),
- einen eigenen Risikominderungsprozess, dessen Basis die Risikobeurteilung nach EN 12100 bildet, da nur so die Sicherheitsrisiken ermittelt werden können,
- für Approach A die Ermittlung eines geeigneten SRSL (safety-related-security-Level) unter Berücksichtigung der erwarteten Angriffshäufigkeit und der Skills der Angreifer,
- zu erfüllende Anforderungen für die SRSL 0-3
- die Analyse der Bedrohungen bzw. Gefährdungen mit dem STRIDE-Modellierungsansatz (Spoofing, Tampering, Repudiation, Information Disclosure, Denial of Service, Elevation of Privilege), wofür praktische Beispiele gegeben werden,
- die Information über die verbleibenden Restrisiken durch sicherheitsrelevante Benutzerhinweise analog der DIN EN 12100 für beide Approaches.
Was bedeuten die Empfehlungen in der Norm für laufende Entwicklungen?
Die Analyse nach dem STRIDE-Bedrohungsmodell ist ein Aspekt, den die künftigen Anwender bereits jetzt umsetzen können. Dies erleichtert aus Sicht von IZP die spätere Prüfung der Maßnahmen gegen die Normanforderungen. Damit werden die Kosten von Nachbesserungen bzw. den Aufwand der Nachdokumentation bei Erscheinen der endgültigen Norm minimiert.
Das STRIDE-Bedrohungsmodell kann auch mit gängiger Software (z.B. SAFEXPERT) als Erweiterung der Gefährdungsliste abgebildet werden. Die Ermittlung der relevanten SRSL könnte hingegen in der Sicherheitsanforderungsspezifikation (s.a. DIN EN 13849-1, Abschnitt 5) dokumentiert werden.
Maschinenbauer, welche die Anforderungen der seit Jahren verfügbaren Normenreihe EN 62443 bei der Beurteilung des Designs Ihrer Systeme berücksichtigen und Cyberrisiken systematisch analysieren und behandeln, dürften bereits jetzt vergleichsweise gut aufgestellt sein. Sie könnten anhand des Normentwurfes zunächst vorprüfen, in wieweit sie die künftigen Anforderungen für Systeme und Komponenten schon erfüllen. Die Norm verweist hier auf spezifische Anforderungen (FR, SR) und zu erfüllende Security-Level-Capability SL-C.
Das künftige Vorgehen entsprechend der EN 50742 (Approach A) erscheint fokussierter. Dies reduziert den Gesamtaufwand für eine CE-Kennzeichnung vor allem für kleinere Unternehmen und einfachere Anwendungen. Die finale Veröffentlichung der Norm wird aber noch einige Zeit dauern, da der Entwurf derzeit in der Kommentierungsphase ist.
Weitere Informationen
Der englischsprachige Normentwurf kann unter dem unten angegebenen Link erworben werden.
Für weitere Fragen rund um das Thema Risikobeurteilungen im Bereich Maschinensicherheit stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.






